Ermittlungsstand über Anschlag in Berlin

Karlsruhe/Berlin (mk) Am Mittwocnnachmittag gab die Bundesanwaltschaft den Stand der Ermittlungen wegen des Anschlags vom 19. Dezember 2016 auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin bekannt.

Demnach hielt sich Anis Amri am Tattag den bisherigen Erkenntnissen zufolge am Nachmittag am Friedrich-Krause-Ufer in Berlin auf. Das war der Standort des LKW, den er später als Tatmittel benutzte. Anschließend suchte Amri die Fussilet-Moschee in der Perleberger Straße auf. Gegen 19.30 Uhr kehrte er zum Friedrich-Krause-Ufer zurück.Dort soll er dann nach gegenwärtigen Ermittlungstand die tödliche Schussabgabe auf den polnischen LKW-Fahrer abgegeben haben. Dort war aus Sicht der Ermittler der LKW entgegen der Fahrtrichtung am

Seitenstreifen geparkt. Die Fahrertür zeigte zum Spreeufer. Wie es heißt, sprechen das Spurenbild dafür, dass die Schussabgabe aus Richtung der Fahrertür erfolgte. Es wurden Schmauchspuren an der Gummileiste der geöffneten Fahrertür festgestellt. Zudem wurde am Standort des LKW eine Patronenhülse aufgefunden. Diese passt zu der in Italien sichergestellten Waffe.

Laut kriminaltechnischer Untersuchung gibt es keine Hinweise dafür, dass sich zum Zeitpunkt des Anschlags an der Gedächniskirche auf dem Bteitscheidplatz eine dritte Person in der Fahrerkabine aufgehalten hat.

Anhand der GPS-Daten des LKW konnte die Route vomFriedrich-Krause-Ufer zum Anschlagsort nachverfolgt werden. Sie führte über die Budapester Straße die Hardenbergstraße und den Ernst-Reuter-Platz zurück über die Hardenbergstraße zum Breitscheidplatz.

Kurz nach dem Anschlag wurde eine männliche Person im Bereich Bahnhof Zoo von einer Videokamera aufgezeichnet. Nach dem gegenwärtigen Stand der Ermittlungen ist davon auszugehen, dass es sich um Anis Amri handelt. Die Bilder legen nahe, dass Amri wusste, dass er aufgezeichnet wird. Er zeigt den sogenannten Tauhid-Finger das ist ein erhobener Zeigefinger in die Richtung der Kamera.

Nach Erkenntnissen der niederländischen Behörden war Amri am 21. Dezember gegen 11.30 Uhr am Bahnhof in Nimwegen/NL und anschließend gegen 13.20 Uhr am Bahnhof in Amsterdam. Er soll dort jeweils von Überwachungskameras aufgezeichnet worden sein. Nach einer Vorabinformation der italienischen Behörden ist die in BerlinerTatwaffe identisch mit der in Italien. Das ergab ein Abgleich der Geschosshülsen. Gegenstand der Ermittlungen ist nunmehr die Frage, wie Amri in den Besitz der Waffe gekommen ist.

Darüber hinaus gab die Bundesanwaltschaft bekannt, dass aufgrund eines Beschlusses des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs am Dienstag die Unterkunft eines 26-jährigen tunesischen Staatsangehörigen in einem Flüchtlingsheim in Berlin durch Beamte der Bundespolizei und des Bundeskriminalamtes durchsucht wurde.

Er steht im Verdacht, an dem Anschlagsgeschehen beteiligt gewesen zu sein. Nach den bisherigen Erkenntnissen kannten sich Amri und der Beschuldigte spätestens seit Ende 2015. Aufgrund eines Hinweises konnte rekonstruiert werden, dass beide sich noch am Vorabend des Anschlagstages, am 18. Dezember 2016,gegen 21:00 Uhr in einem Restaurant in Berlin-Mitte, Ortsteil Gesundbrunnen, getroffen und intensiv unterhalten haben. Vor diesem ergab sich der Verdacht, dass der Beschuldigte in die Tateingebunden gewesen sein könnte, zumindest aber von Anschlagsplänen Amris gewusst haben könnte. Bei der Durchsuchung wurden unter anderemKommunikationsmittel sichergestellt, die derzeit ausgewertet werden. Die gegen den Beschuldigten bestehenden Verdachtsmomente reichen derzeit nicht für einen dringenden Tatverdacht aus.

Die Bundesanwaltschaft hat gegen ihn daher keinen Haftbefehl beantragt. Allerdings wurde der Beschuldigte gestern in einem Verfahren der Staatsanwaltschaft Berlin vorläufig festgenommen und heute dem dortigen Ermittlungsrichter vorgeführt, der Haftbefehl erlassen und den Vollzug der Untersuchungshaft angeordnet hat.

Die zweite Durchsuchung am Dienstag bezog sich auf einen früheren Mitbewohner von Anis Amri.Mit ihm teilte sich Amri seit Herbst 2016 ein Zimmer in Berlin-Mitte, Ortsteil Gesundbrunnen. Er kommt daher als Zeuge in Betracht. Die Auswertung von Amris Mobiltelefon hat ergeben, dass er am Vor- und Nachmittag des Anschlagstages versucht hat, den Zeugen zu erreichen. Ob es tatsächlich zu einem Gespräch kam, ist derzeit noch offen. Bei der Durchsuchung wurden Kommunikationsmittel des Zeugen sichergestellt, die derzeit ausgewertet werden.

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